Kommunikation in der Familie – So gelingt sie!

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Gelungene Kommunikation ist der Schlüssel zu erfüllten Beziehungen, die von Nähe, Vertrauen und Verständnis geprägt sind. Wenn wir Eltern mit unseren Kindern lachen, diskutieren oder streiten passiert ganz viel an verbaler und nonverbaler Kommunikation.

Unsere Worte haben eine enorme Kraft. Sie können uns beflügeln, wärmen, tiefes Vertrauen schaffen. Andererseits können Worte durch Sprachlosigkeit, Vorwürfe und Verurteilungen die Familie nachhaltig schädigen.

Wenn ich auf diesem Blog das Verwöhnen unserer Kinder beschreibe, dann liegt diesem Umgang nicht nur die aktive Handlung zugrunde, sondern auch das gesprochene Wort. Denn ganz entscheidend durch unsere Art und Weise wie wir mit unseren Mitmenschen kommunizieren zeigen wir unsere Haltung, unsere Wahrnehmung der Welt und teilen unsere Empfindungen mit – oder auch nicht. andererseits können familiäre Strukturen durch Sprachlosigkeit, Vorwürfe und nicht gut gelöste Konflikte auseinanderbrechen.

Die 4 Barrieren von Kommunikation

Hierin liegt eines der grundlegenden Probleme von Sprache: So gerne wir auch den anderen zu 100% kennen oder uns zu 100% mitteilen wollen, es geht nicht. Das liegt an vier Barrieren, die (noch) unüberwindbar sind.

  1. Die Barriere zwischen Bild und Sprache.

Unser Gehirn, das Bewusstsein, denkt in Bildern. Um sich mitzuteilen muss es aber Bilder in Gedanken und diese wiederum in Sprache umsetzen. Dass diese Um- oder auch Übersetzung nicht vollkommen ohne Verluste gelingen kann liegt daran, dass Sprache begrenzt ist. Nicht jeder verfügt über denselben Wortschatz, nicht jeder verfügt über dieselbe Ausdrucksstärke. Die Vollkommenheit des Bildes in unserem Kopf wird eingebüßt zugunsten der Mitteilung.

  1. Die Barriere der Offenbarung.

Wir geben immer nur ganz bestimmte Dinge von uns preis. Wir entscheiden jederzeit was wir vor wem oder uns selbst offenbaren wollen – und können. Sprache und Schweigen hilft uns, ein gewisses (Fremd- sowie Selbst-)Bild von uns zu erzeugen, zerschlagen oder zu bestätigen. Das klingt nun erstmal erschreckend – woher weiß ich, dass mein Gegenüber genau so ist, wie ich es denke? – und gleichzeitig sehr schön! Ist es nicht wunderbar, dass wir unser Bild von unserem Gegenüber erweitern können und müssen? Dass sich neue Geheimnisse, neue Schichten freilegen können? Wir Menschen sind nicht mit 21 Jahren fertig und bereit für den Tod. Wir wachsen, entwickeln und denken weiter und wie viel Spaß macht es, an dieser Entwicklung durch Kommunikation teilzuhaben? Wie schön ist die Vorstellung, dass mein Gegenüber mich immer noch überraschen kann, wenn ich ihn nicht in eine Schublade stecke oder Erwartungen an ihn habe, die er nicht ent-täuschen darf? Mich erfüllt das mit Freude und Spannung auf die nächsten vielen Jahre mit meinem Partner!

Damit kommen wir zur dritten Barriere.

  1. Die Barriere der Rückübersetzung.

So wie wir unsere Bilder in Sprache umgesetzt haben, muss unser Gegenüber eine Umkehrung vollziehen und die Sprache in Bilder zurückübersetzen. Dabei ist offensichtlich, dass das Bild des Empfängers höchst unwahrscheinlich mit dem Bild des Senders übereinstimmt.  Zu diesen Übersetzungsfehlern gesellt sich unsere Vorstellung des anderen. Wir sind befangen, weil wir den anderen verzerren, indem wir ihm unsere bevorzugten Vorstellungen und Gestalten aufzwingen. Seine Erwartungen aufzugeben und eine Neugier für den anderen zu entwickeln scheint eine gute Strategie zu sein und erinnert sehr an… Unsere Kinder, stimmt!

  1. Die Barriere der Vielschichtigkeit.

Unsere Kinder sind auch für diese letzte Barriere wunderbare Beispiele, dass wir den anderen letztlich nie wirklich erkennen können. Natürlich gibt es umfangreiche wissenschaftliche Vorhaben wie Studien, Klassifikationen, Bewertungen, Richt- und Normwerte und so weiter, um uns und unsere Kinder einzusortieren. Doch wie häufig hat man Kinder im selben Alter, selbe Gewichtsklasse, gleiches Gewicht, vielleicht sogar gleiche Eltern und sie sind so unterschiedlich in ihrer Entwicklung und Charakter wie ein Apfel und eine Banane? Und das ist so okay! Wir sind so komplex und jedes Individuum ungeheuer vielschichtig, dass es auch hier wohl am ratsamsten ist, das Kategorisieren aufzugeben und uns einfach jedem Menschen individuell zuzuwenden.

Welche Elemente hat eine gelungene Kommunikation?

Damit kommen wir nun auch zu den Elementen einer gelungenen Kommunikation in der Familie. Mit dem Barriere-Wissen im Hinterkopf fallen die „Top 3“ in der dialogischen Umsetzung gar nicht mehr so schwer.

  1. Offenheit
  2. Etikett-Freiheit
  3. Akzeptanz und Respekt

Offenheit im Dialog bedeutet, dass ich mich auf den anderen einlasse. Ich korrigiere ihn nicht permanent und liege auf der Lauer für neue Fehler und Versprecher. Stattdessen will ich den anderen verstehen. Meine Haltung ist geprägt von den Fragen: „Warum drückt sich jemand so aus, wie er sich ausdrückt?“ „Was meint er mit diesem Wortgebrauch?“ „Wie lautet seine Definition?“ Indem ich mich auf den anderen einlasse, begebe ich mich in seine Welt, nehme seine Brille auf die eigene Nase und will verstehen, was er und wieso er sieht, was er sieht.

Das fällt mir umso leichter, je weniger Stempel und Etikette ich dem anderen aufdrücke. Wenn ich mich von meiner Etikettierungsmaschine befreie und stattdessen Neugier als Antreiber nehme, geschieht beim Gegenüber plötzlich auch etwas: Es fällt viel leichter, sich zu offenbaren. Wenn ich keine Angst davor haben muss, dass ich be- und verurteilt werde oder dass ich danach ein Label weg habe oder einen Stempel aufgedrückt, wenn ich den Raum bekomme, um mich auszudrücken, um mich zu erklären und der andere ehrliches Interesse an mir hat, dann macht mich das frei. Es schafft echte Nähe und tiefes Vertrauen. Nicht nur zwischen Erwachsenen, sondern auch zwischen Eltern und Kindern und durch unser Vorbild auch zwischen Kindern.

Ein häufiges Problem in der Kommunikation ist, dass beide Parteien Recht haben wollen. Sie ärgern sich darüber, dass der andere nicht versteht, dass man selbst Recht hat. Dazu ein schönes Rosenberg-Zitat: „Du kannst Recht haben oder glücklich sein.“ An diesen Worten kann man erstmal zu knabbern haben und auch einen Widerstand spüren, ihr Wahrheitsgehalt lässt sich in der Praxis nicht leugnen. Wenn ich aufhöre, zu widerlegen oder zu bezichtigen, wenn ich keine Etiketten mehr verteile und Pauschalisierungen vornehme, wenn ich also nicht mehr kämpfe, dann mache ich Platz für Akzeptanz und Respekt.
Denn mal unter uns gefragt: Geht es im Dialog wirklich um Sieg oder Niederlage? Ich hoffe nicht.

Akzeptanz und Respekt bedeuten, dass ich den Menschen sein lassen kann wie er ist, ohne, dass ich mich daran störe. Es bedeutet nicht, alles gutheißen zu müssen und nicht mehr debattieren zu können. Doch statt einem „Du musst das so sehen wie ich, denn ich habe Recht“ geht es um ein „Ich respektiere dein Denken und sehe es doch anders.“ Jemanden zu respektieren bedeutet, den anderen zu sehen. (Lateinisch respectare = sich umsehen; berücksichtigen) Wenn wir uns gegenseitig im Blick haben, uns in die Welt des anderen durch Offenheit und Neugier begeben und diese andere Welt respektieren können, ebnen wir den Weg für Harmonie, wertschätzende Bindungen und tiefe Beziehungen zu uns, unseren Kindern und allen anderen Mitmenschen.

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