Warum du dein Baby verwöhnen darfst…

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Heute geht es um die ersten Monate mit deinem klitzekleinen Baby, wie eine harmonische Einheit zwischen Mama und Kind entsteht und wie ein bedürfnisorientierter Umgang besonders schön für das Baby und leicht für die Mama sein kann.

Viele Nachrichten, die ich von euch bekomme, drehen sich um das angstbesetzte Thema „Verwöhnung vom Baby“. Anscheinend haben viele Mütter Angst, ihr Baby zu verwöhnen und sehen ihren eigenen Umgang mit ihrem Kind als falsch an. Die häufigsten Nachrichten klingen in etwa so: „Liebe Sarah, mein Baby kann ich nirgendwo hinlegen, es fängt sofort an zu weinen.“ Oder: „Hey Sarah, jetzt ist meine kleine Maus schon 2 Wochen auf der Welt und ich kann sie immer noch nicht ablegen, ohne dass sie sofort zu schreien und weinen anfängt. Was kann ich dagegen tun, ich will sie nicht verwöhnen. Hast du eine Erklärung?“ Ja, ihr Lieben, die habe ich.

Für die Erklärung müssen wir ein bisschen weiter zurückgehen und zwar bis in die Steinzeit. Warum? Weil unsere heutigen Instinkte und Gene genau daher kommen und uns auch heute noch leiten, selbst wenn sie nicht mehr up-to-date sind. Doch ein Baby kommt noch mit einer zweiten Besonderheit auf die Welt – nämlich zu früh. Etwa 16 Monate müsste ein Baby im Bauch seiner Mutter sein bis es die Fitness eines Affenbabys hätte, aber sie kommen auf die Welt, bevor sie eigentlich bereit sind alleine zu Recht zu kommen. Man nennt das auch unreif geboren. Die Natur hat das aber nicht einfach nach dem Motto „Okay, Babys werden jetzt früher geboren und dann sollen sie zusehen, wie sie damit fertig werden“ gemacht. Nein, sie hat sowohl Mutter als auch Kind mit ganz tollen Instinkten, Alarmsignalen, Hormonen etc. ausgestattet, sodass eine jede gesunde Mutter, die ein Baby gebärt, auf jeden Fall sofort das Bedürfnis hat, dieses Baby an sich zu tragen und bei sich zu halten. Das Baby erwartet auch genau das!

Das Baby erwartet die ersten Wochen nach der Geburt das Fortbestehen des Mutterleibes

Es erwartet, dass alle Bedürfnisse jederzeit befriedigt werden. Es erwartet, dass es in Ruhe weiterwachsen kann, reifer werden kann und dann einige Monate nach der Geburt zu einem etwas selbstständigeren Baby werden kann. Das Baby hat also die ersten Wochen nach der Geburt das Grundbedürfnis nach zu reifen und das vor allem ganz nah an der Mutter dran.

Bei Störungen dieser Erwartung passiert folgendes:

Wenn ein Baby alleine auf dem Rücken liegt, fängt es an zu schreien. Egal, ob die Mutter im Raum nebenan liegt oder im Türrahmen steht, denn es weiß ja nicht, wo die Mama ist. Tatsächlich wissen Babys gar nichts, wenn sie auf die Welt kommen. Es weiß nicht, dass es Betten gibt, es in einem Raum geschützt ist oder sich auf der Erde befindet. Es weiß nicht, dass es Gegenstände, Tiere oder irgendwas gibt. Ein Baby lebt nur in seinem Hier und Jetzt, hier seinem kleinen Mikrokosmos. Ein Baby kann ja auch nicht weiter als ein paar Zentimeter sehen. Es kann also auch nicht viel erblicken. Das einzige, was es sicher hat, sind seine Ur-Instinkte. Auch, wenn wir Menschen die in der heutigen Zeit nicht mehr brauchen. Diese Ur-Instinkte sagen dem Baby in dieser Situation folgendes: „Ich wurde vergessen. Meine Mama ist vielleicht gestorben oder man hat mich hier liegen lassen.“ Ein Baby fängt in dieser Situation zu schreien an, weil es um sein Überleben geht. Mutter Natur hat bei der Mama gleichzeitig auch eine tolle Reaktion eingerichtet: Sobald eine Mutter ihr Baby schreien hört, gehen bei ihr alle Alarmglocken an, Stresshormone werden ausgeschüttet und der natürliche dringliche Impuls lautet sofort zum Baby zu gehen und es hoch zu nehmen. Dieses Zusammenspiel hat die Natur für die Steinzeit ganz wunderbar gemacht, denn ein Baby konnte man da nicht einfach alleine im Gras liegen lassen. Da wäre es ja sofort irgendwelchen Feinden ausgeliefert gewesen.

Wie kommt es jetzt aber, dass dieses natürliche Prinzip so in Verruf geraten ist?

Oder woher kommt der negative Beigeschmack dieses Systems, mit dem sowohl die Mama als auch das Kind ausgestattet sind? Woher kommen Sätze wie: „Ich verwöhne mein Kind, wenn ich es immer nehme.“, „Wenn ich es jetzt immer hoch nehme, dann will es doch bestimmt mit 3 Jahren auch noch jedes Mal hoch genommen werden.“, „Das muss auch mal schreien, damit sich die Lungen stärken.“,  oder auch: „Wenn ich mein Baby zu viel an mir dran trage, dann wird der Rücken vielleicht nicht grade.“

Solche Sätze und Überzeugungen kommen aus alten Erziehungsratgebern aus der Zeit als Europa noch ein Land voller Kriege war. Damals ging es in der Erziehung um zukünftiger Soldaten,  gehorsame Volksmenschen und das Übergehen der eigenen Instinkte. Ein schauriges Beispiel für solche schlimmen Ratgeber ist „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Frau Dr. Harrer, Lungenfachärztin, aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Dort stehen wirklich solche Empfehlungen drin Mutter und Kind haben 24 Stunden nach Geburt zu warten, bevor der Säugling das erste Mal angelegt werden darf oder auch wortwörtlich: „Das Baby soll mit festem Griff bewegungslos gehalten werden, so daß es nur noch den Mund öffnen und schließen kann und schlucken muß, was der Erwachsene ihm zuteilt, und zu einem Zeitpunkt, den dieser bestimmt.“ Mit solchen Methoden entfremdet man nicht nur hervorragend Bindungspersonen vom Baby, sondern man lässt sie auch zu emotionsloseren Erwachsenen heranwachsen, denen der Zugang zu den eigenen Gefühlen verwehrt ist. Denn mit diesem Umgang lernen die Babys ab Geburt folgendes: „Egal, wie sehr ich schreie, ich werde nicht gehört. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, das Leben ist gegen mich – ich stumpfe ab. Ich erfahre nicht das, was ich eigentlich brauche.“

Zum Glück leben wir nicht mehr in der NS-Zeit!

Wir sind zum Glück nicht mehr den Zwängen der schwarzen Pädagogik ausgesetzt und können frei entscheiden sowie unseren Mutterinstinkten folgen. Nicht, dass die Mütter damals nicht auch das Beste für ihr Baby wollten, aber der gesellschaftliche Zwang sich anzupassen war wohl für viele einfach zu groß. Daraus können wir übrigens auch etwas Gutes ziehen: Aufzupassen bei Trends, die aufkommen und genau zu überprüfen, ob das zu uns und unseren Instinkten passt.                

Obwohl wir in der heutigen Zeit leben, haben immer noch viele junge Mütter die Angst, ihre Kinder zu verwöhnen. In ihren Köpfen sind die alten Sätze und wieso? Weil – geglaubtes – Wissen nicht einfach so verschwindet. Es wird weitervererbt, wenn man so will, und an die nächste Generation, mit guter Absicht, weitergegeben. Darum möchte ich an dieser Stelle alle jungen Mütter ermutigen gegen dieses alte „Wissen“ zu handeln, wenn du dein Baby vor dir hast, denn: Du kannst dir glauben.

Du kannst dein Baby nehmen, wenn es weint und du brauchst keine Angst zu haben, dass du es verwöhnst.

Du kannst dir glauben.

Das Steinzeit-Prinzip in die heutige Zeit zu übernehmen macht das Leben mit Baby einfach

Das Baby in den ersten Wochen im Tragetuch an mir dran zu haben macht mein Leben sehr einfach. Es wiegt ja nicht viel, ich habe meine Hände frei, ich muss keinen Kinderwagen strategisch durch die Gegend fahren, keine Bürgersteigkante ist mir zu hoch, ich muss mir keine Gedanken machen, ob mein Baby friert oder nicht, denn ich fühle ja, ob es friert oder nicht, ich kann Treppen hoch- und runtersteigen. Meistens weint das Baby auch nicht viel und wenn, dann muss ich keinen Kinderwagen schuckeln, sondern kann es an mir dran bewegen und wenn es etwas trinken will, sogar im Tuch stillen. Mein Alltag wird also kaum durch das Baby unterbrochen, wodurch ich relativ schnell nach der Geburt wieder am Alltag teilnehmen konnte und so dem wichtigen Punkt der Isolation entgehen konnte – bis heute. Diese Isolation kann tatsächlich daraus resultieren, dass ein Rausgehen auf die Straße immer eine große Sache ist, weil man alles packen muss, gescheit zusammenpacken am besten, dann muss man natürlich auch Uhrzeiten im Blick haben und den Kinderwagen irgendwann losschieben. Mir wäre das von Anfang an zu viel gewesen und so habe ich beim Tragen nicht gedacht: „Ach, ist das kompliziert.“ Sondern: „Es macht mir mein Leben einfacher und mir fällt nicht so leicht die Decke auf den Kopf, weil ich flexibel bin. Ich ziehe mein Baby an, pack es in die Trage und gehe raus. Fertig.“

Auch das Elternbett gehört zum alltagsfreundlichen Steinzeit-Prinzip

Nochmal kurz zurück in die Steinzeit… Als die Menschen eben noch nicht sesshaft waren, sondern tagsüber gewandert sind. Sie sind wenig stehen geblieben, um sich irgendwo einfach nur aufzuhalten, sondern häufig ging es um die Nahrungssuche, um das Sammeln und das Jagen und nachts haben sie dann geschlafen. Nachts war also die beste, weil ruhigste, Möglichkeit für das Baby bei der Mutter zu trinken. Vielleicht habt ihr auch schon davon gehört oder gelesen, dass nachts die Stillhormone besser fließen. Das kommt noch aus der Steinzeit, denn da haben die Babys nachts getrunken und tagsüber waren sie eher am Laufen oder geformt an die Mama gebunden. Es ist also nicht verwunderlich, warum Kinder nachts so viel trinken. Das Baby im Elternbett zu haben macht deshalb auf jeden Fall das Leben leichter. Natürlich muss es abgesichert sein, man darf nicht rauchen, trinken, Drogen konsumieren und man muss sich an gewisse Richtlinien halten damit das Kind sicher im Elternbett ist. Doch es lohnt sich, wirklich. Denn wenn man das macht, dann werden die Nächte entspannter und das Faszinierende erlebe ich selbst: Frauen können nachts stillen und gleichzeitig schlafen. Natürlich gibt man trotzdem viel von sich, das will ich auf keinen Fall klein reden, aber es ist der leichtere Weg zu der Alternative.

Die Alternative dazu sieht für mich viel anstrengender aus: Jedes Mal, wenn das Baby schreit, in ein anderes Zimmer zu gehen und dabei quasi komplett wach zu werden. Dann das Kind hoch zu nehmen, zu stillen und wieder zurückzulegen. Anschließend dort wieder zum Schlafen zu bringen, was ja auch nicht so einfach ist, denn es ist ja nicht so, dass man ein Baby einfach ins Bett legt und es schläft. Nein, das dauert dann auch wieder 15 Minuten. Nur um dann wieder total hellwach ins Bett zu gehen und dann versuchen selbst weiterzuschlafen…

Damit macht man es sich ja wirklich unnötig schwer, finde ich, und schlafen ist so wichtig. Schlafentzug ist nicht umsonst eine Foltermethode. Also sorgt dafür, dass ihr euch nicht selbst foltert!

Altes und Neues

Ich kann mir vorstellen, dass der neue Weg der Elternschaft von heute entspannt mit der Rückbesinnung auf die alten Steinzeit-Instinkte gehen kann. Unsere Mutterinstinkte zu spüren bedeutet, uns selbst treu sein zu können.  Unser Alltag wird leichter, wenn wir mit den alten Instinkten durch unsere neue Lebensphase als Mama gehen. So können wir mit mehr Gelassenheit der „Mutter-Isolation“ entgehen.  

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